Schutz vor HIV

Wie man sich vor HIV schützen kann

Kondome

„Kondome schützen!“ Diese Botschaft verbreiten alle Präventionsprojekte seit jeher. Kondome sind preisgünstig, können spontan und ohne Vorlaufzeit eingesetzt werden. Außerdem schützen sie nicht nur sehr gut vor HIV. Mit Syphilis, Tripper, Chlamydien und Hepatitis kann man sich zwar auch anstecken, wenn man Kondome verwendet, aber das Risiko wird um einiges verringert.

Der Schutz vor HIV mit Kondomen funktioniert also sehr gut – wenn man sie tatsächlich immer und richtig benutzt. Das allerdings hat noch nie für alle geklappt, sonst gäbe es kaum noch Neuinfektionen mit HIV. Für manche ist die Verwendung von Kondomen schon lange erfolgreiche Routine. Die meisten haben aber schon mal „eine Ausnahme“ gemacht, für manche ist die Ausnahme zur Regel geworden. Andere mögen Sex mit Kondomen grundsätzlich nicht. Einige kriegen vielleicht gar keinen hoch, wenn sie ein Kondom benutzen. Beim Analverkehr muss der Passive seinen Sexpartnern vertrauen oder er muss ständig alles kontrollieren und kann sich dann vielleicht nicht entspannen und genießen. Kondome sind also für manche der ideale Schutz vor HIV und anderen Infektionen, für viele eine ungeliebte Ergänzung anderer Strategien und für einige bloß eine lästige Krücke, die sie nur manchmal und ungern verwenden. Zum Glück gibt es mittlerweile einige Alternativen:

Schutz durch Therapie

Seit 2010 ist nachgewiesen, dass erfolgreich therapierte HIV-Positive die Infektion nicht weitergeben können. Durch die Therapie sinkt die Viruslast meistens so sehr, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Das ist eine tolle zusätzliche Schutzmöglichkeit. Der HIV-Negative muss hier allerdings darauf vertrauen, dass der HIV-Positive seine Medikamente regelmäßig nimmt, die Viruslast regelmäßig kontrollieren lässt und sie tatsächlich unter der Nachweisgrenze liegt. In Beziehungen ist diese Möglichkeit oft ideal, wenn man einander kennt und vertraut. Für spontanen Sex muss sich der HIV-Negative überlegen, ob er sich generell damit wohlfühlt, die Kontrolle über seinen eigenen Schutz an jemand anderen abzugeben. Außerdem funktioniert dieser Schutz natürlich nur bei HIV-Positiven, die in Therapie sind.

Sex mit jemandem, der noch nichts von seiner Infektion weiß, ist besonders riskant, denn zu Beginn der unbehandelten Infektion kann die Viruslast und damit die Ansteckungsgefahr sehr hoch sein.

Für mehr Informationen kannst du die Seite von „Ich weiß, was ich tu“ besuchen: http://www.iwwit.de/themen/schutz-durch-therapie

Post-Expositionsprophylaxe (PEP)

Manchmal reißt ein Kondom, oder man hat doch mal Sex ohne und wird sich erst hinterher darüber klar, dass die Situation riskant war. Vielleicht hat man angenommen, der andere sei HIV-positiv und in Therapie, vielleicht hat man sich von einem geilen Moment hinreißen lassen, vielleicht auch bewusst entschieden, Bareback-Sex zu wollen. Nach einer Risikosituation gibt es die Möglichkeit, einen Monat lang HIV-Medikamente zu nehmen und damit das Risiko einer Infektion noch nachträglich drastisch zu senken. Wichtig ist, schnell mit der Einnahme zu beginnen. Am besten innerhalb weniger Stunden, keinesfalls später als 72 Stunden nach dem Risiko. (Je früher, desto höher die Chance, eine Infektion zu verhindern.)

Eine solche HIV-PEP kann man sich insbesondere nachts und am Wochenende in der Notaufnahme eines geeigneten Krankenhauses verschreiben lassen und erhält dort auch gleich die erste Dosis. In Bochum geht das im St. Josef-Hospital (Gudrunstraße 56, 44791 Bochum). Während der Öffnungszeiten gehst du hier am besten ins WIR (Große Beckstr. 12, 44787 Bochum, Telefon +49-234-5098930) oder in eine HIV-Schwerpunktpraxis und sagst dort gleich beim Empfang, dass du vielleicht eine HIV-PEP benötigst.

Weitere Informationen zur PEP und eine Liste von Krankenhäusern in Deutschland, die 24 Stunden am Tag eine PEP einleiten können, findest du bei „Ich weiß, was ich tu“ unter http://www.iwwit.de/pep.

Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP)

Für HIV-Negative, die nicht (immer) Kondome verwenden, gibt es seit einigen Jahren eine weitere Möglichkeit, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Für eine PrEP nimmt man bereits vor dem Risiko ein HIV-Medikament ein. Dieser Schutz ist außerordentlich gut wirksam und verringert das Risiko einer HIV-Infektion sogar noch besser als der Einsatz von Kondomen. Die HIV-PrEP schützt allerdings nur vor HIV, aber nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Für die HIV-PrEP nimmt man das Medikament Truvada (oder ein preisgünstigeres Generikum) in der Regel täglich ein. Das Medikament ist seit über einem Jahrzehnt im Einsatz und gilt als sehr gut verträglich. Viele spüren gar keine Nebenwirkungen oder nur in den ersten Wochen der Einnahme.

In Deutschland ist die PrEP seit diesem Jahr zugelassen. Allerdings werden die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen. Das Original-Präparat kostet in deutschen Apotheken über 800,- € im Monat. Durch den Selbstimport von Generika lassen sich die Kosten allerdings drastisch senken auf etwa 35,- € bis 70,- € im Monat. Manche von uns können außerdem ihr Risiko „planen“ und wissen, dass sie etwa nur für einen Urlaub, eine Party oder zu anderen Anlässen diesen zusätzlichen Schutz benötigen. Dann gibt es neben der Langzeit-PrEP auch andere Einnahme-Schemata, mit denen sich die Kosten weiter reduzieren lassen.

Ärztliche Begleitung

Wenn du eine PrEP nehmen willst, gilt es einiges zu beachten: Zunächst möchtest du möglich sicher sein, tatsächlich HIV-negativ zu sein. Eine PrEP zu nehmen, wenn du bereits infiziert bist, kann zu Problemen (Resistenzen) führen. Deine HIV-Infektion ließe sich dann zwar immer noch gut behandeln, aber die Auswahl möglicher Wirkstoffe würde eventuell reduziert und damit die Vermeidung von Nebenwirkungen schwieriger.

Außerdem sollte die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden. In den PrEP-Studien ging bei 2–3 % der Teilnehmer die Nierenfunktion leicht zurück. Es kam jedoch zu keinem Nierenversagen und nach Absetzen des Medikamentes haben sich die Nieren wieder erholt, so dass einige dieser Teilnehmer danach auch wieder mit PrEP anfangen konnten. Daher ist es unbedingt wichtig, die Nierenfunktion regelmäßig, ca. alle 3 Monate, von einem Arzt überprüfen zu lassen, so dass, wenn was ist, frühzeitig reagiert werden kann.

Wenn du häufiger Sex ohne Kondom hast, ist es außerdem sehr sinnvoll, einen funktionierenden Impfschutz gegen Hepatits A und B zu haben und dich besonders regelmäßig auf andere sexuell übertragbare Infektionen testen zu lassen, damit die bei Bedarf schnell behandelt werden.

Aus diesen Gründen ist unbedingt angeraten, dass du dich über eine PrEP vorher gründlich informierst, dich vor Beginn testen lässt und dass sie ärztlich begleitet wird. Mit unserer PrEP-Stunde bieten Arne Kayser und Christoph Hassel dir ein eingehendes Gespräch an, in dem wir dich beraten, wie und wo du an die nötigen Untersuchungen kommst, wie du dir die PrEP-Medikamente bezahlbar besorgen kannst und wie du sie einnehmen kannst, um den für dich besten Schutz bei möglichst geringen Kosten und Nebenwirkungen zu kriegen. Einen Termin kannst du in der Aidshilfe Bochum vereinbaren unter Telefon +49-234-51919 oder per Mail an info@bochum.aidshilfe.de oder per Privater Nachricht auf Facebook (https://www.facebook.com/bochum.aidshilfe/) Eine erste Beratung kannst du aber auch ohne Termin jeden Freitag ab 17 h im WIR bei Beratung und Test von Herzenslust erhalten. (s.u.)

Viele weitere Informationen zur HIV-PrEP findest du auch auf der Seite http://www.prep.jetzt/ und in der Facebook-Gruppe PrEP.jetzt .

Testen & Behandeln

Die HIV-Therapie ist in den letzten Jahren immer besser geworden. Wenn man rechtzeitig davon erfährt und die Behandlung beginnt, dann ist auch mit einer HIV-Infektion fast immer ein gutes und weitgehend normales Leben möglich. Egal, ob man und wie gut man sich schützt, ist es daher sinnvoll, sich regelmäßig testen zu lassen.

Beratung & Test von Herzenslust

Heute gibt es also viele Möglichkeiten, sich vor HIV zu schützen. Auch, wenn man sich mit HIV infiziert, kann man verhindern, dass man krank wird, wenn man rechtzeitig davon erfährt und sich behandeln lässt. Bei Herzenslust beraten wir dich gern dazu, wie du gesund bleiben kannst, egal ob und wie du dich schützen möchtest. Außerdem bieten wir dir kostenlose und anonyme Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Das geht ohne Termin jeden Freitag ab 17 h im WIR.